Mit Pestiziden gegen “Mauerspinnenplage”

Erhitzte Gemüter um eine 2 mm-Spinne

Die bis dato völlig unbeachtete Mauerspinne Dictyna civica, die sich aus dem mediterranen Raum zunehmend nach Norden ausbreitet, lässt gleichsam Malerunternehmen wie Volksvertreter sich mit ihr beschäftigen.

Stein des Anstoßes sind ihre 5 cm großen Netze, die sie platt an die Hausfassade heften und nicht wieder entfernen. In diesen Netzen verfängt sich sich zunehmend Staub und sonstiger Dreck, was rauhputzigen Hausfassaden -- solche werden von den Mauerspinnen bevorzugt -- fleckenweise unansehnlich verschmutzt aussehen lässt.

Die Malerunternehmen sind sich uneins, wie sie dem Kundenwunsch nach tadelloser Fassade begegnen sollen. So propagiert Maler Gutknecht auf seiner Webseite den pestiziden Hausanstrich GUTKNECHT. Ganz anderer Auffassung ist dagegen Maler Kempf auf seiner Webseite. Dieser äußert Bedenken gegen die Verwendung von immer mehr Giften an Häusern allgemein und bezweifelt die Wirsamkeit von Pestiziden gegen Spinnen speziell KEMPF.

Das Problem, das in Östereich und der Schweiz schon länger bekannt ist, besteht derzeit innerhalb Deutschlands nur in südlich gelegenen Bundesländern. Im Rahmen einer kleinen Anfrage der CDU-Abgeordneten Dr. Carmina Brenner beschäftigte sich im August 2002 sogar der Baden-Württembergische Landtag mit diesem kleinen Tier STAECHLE. Danach ist die Mauerspinne innerhalb des Landes bisher in den Regionen Karlsruhe, Bruchsal, Graben-Neudorf, Eggenstein-Leopoldshafen, Heidelberg, Nussloch, Pforzheim, Niefer-Öschelbronn, Tübingen und Freiburg bekannt. Experten rechnen mit der Besiedelung weiterer Gebiete.

Aus Gründen des Natur- und Umweltschutzes sollte die Mauerspinne nicht mit Chemikalien bekämpft werden. Damit liegt Maler Kempf auf gleicher Linie mit den Experten. Pestizide Anstriche würden ehedem keinen wirklich dauerhaften Schutz bieten können, da ihre Wirkstoffe ausgewaschen würden und damit das Grundwasser belasten.

Mauerspinnen lassen sich bevorzugt nieder, wo sie für sie günstige Lebensverhältnisse vorfinden. Schlagwetterseiten werden gemieden. Bevorzugt werden helle, geschützte Stellen rauhen oder rissigen Putzes. Durch Verwendung glatter Oberflächen und geeigneter Farbwahl kann der Mauerspinnenbefall schließlich eingeschränkt oder ganz verhindert werden.

“Wenn man sich diesen Aufwand vorstellt”, so Aloysius Staudt von der Arachnologischen Gesellschaft, “könnte man glauben, die ganze Welt wäre von der Mauerspinne mit Netzen überzogen.” STAUDT

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