Kasseedorf liegt etwas nordöstlich von Eutin in Schleswig-Holstein gelegen.
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| Kartenausschnitt |
Am Samstag (Ende Juli 2004) traf ich mich mit Martin, um gemeinsam das Hinterland des bereits früher einmal erwähnten NSG Kasseedorfer Teiche zu durchforschen. Treffpunkt war die stillgelegte Kiesgrube am Ortsrand, von der Martin nach seinem ersten Besuch ein Foto eingestellt hatte. Bei sengender Sonne machten wir uns los - begleitet vom Spinnenfährtenhund Rusty. Der zeigte zunächst aber nur Interesse an Martins Kescherstiel. Und als ihm schließlich zu heiß geworden war, hielt er sich fortan - im Schatten vor sich hinhechelnd und von kühlen Badeseen träumend - ganz aus unseren Aktivitäten heraus...
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| Umgebung |
Zunächst wandten wir uns gen schilfumstandenen Oberteich. Der zu jeder Jahreszeit malerische, in Weiden und Wiesen eingebettete Weg lockte mit interessanten, begrenzenden Krautschichten und Hochstauden. Aber für uns hatte er an diesem Tag nicht viel zu bieten. Vielleicht waren wir auch nicht aufmerksam genug und zu sehr mit uns selbst beschäftigt, da wir einander noch nicht gut kannten. Da war noch ein Reden und Redenlassen, Zuhören und Nachfragen... Aber spätestens am Oberteich wussten wir wohl, wofür und warum sich der jeweils andere interessierte.
Und so machten wir an der einzigen uferzugänglichen Stelle des von Wasservögeln gern aufgesuchten Gewässers auch nur kurze 'Arbeitspause'. Durch ein Waldstück hindurch näherten wir uns alsbald einer teilweise verwachsenen Kiesgrube, die im steten Wechsel Feuchtstellen (Quellen), Trockenbiotope, Geröllhalden und Steinhaufen bot. Es nahm nicht wunder, dass Martin am Zugang zur vegetationsarmen 'Dünenlandschaft' des seit Jahren ruhenden Grubenbetriebes ausrief: 'Na, das sieht doch schon vielversprechend aus!'
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| Verschiednee Käfer |
Was der Rundgang letztlich an Spinnen gebracht hat, wird Euch Martin berichten. Wir kamen überein, dass er nach dem Bestimmen der Funde den Spinnenteil füllt, während ich etwas zum 'Beifang' sage. Und der war eigentlich gar nicht schlecht. - Schon am Kiesgrubenrand fielen uns wie Fliegenschwärme aufsteigende Käfer auf, die sich bei genauer Betrachtung als 'Dünensandlaufkäfer' (Cicindela hybrida, siehe im Bild links) entpuppten. In einem Gewölle waren zudem Reste eines kräftigen 'Balkenschröters' (Dorcus parallelopipedus, Archivfoto Mitte) auszumachen. Und auf dem blütenreichen Trockenplateau vor einem Nadelwald brummte ein ausgesprochen kräftiger 'Moschusbock' (Aromia muschata, im Bild rechts) über Brombeergestrüpp, weißdoldige Wildmöhre und gelbe Rainfarnknöpfchen. Das machte schon was her, als der langfühlerige, große, metallisch glänzende Bockkäfer meinen Arm hinaufkletterte und mit eigentümlichem Flugbild entschwand.
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| eitere Funde |
An Wilder Möhre fanden sich dann noch einige 'Streifenwanzen' (Graphosoma lineatum). Diese rot-schwarz-streifige Wanzenart hat auch unseren Ostholsteiner Landstrich - ähnlich wie die Wespenspinne - seit einigen Jahren auf ihrem zügigen, nordwärts gerichteten Vormarsch erobert. Allein im Vorjahr zählte ich mehr als 500 gesichtete Exemplare in meinem engeren Beobachtungsgebiet - mehr als von jeder anderen größeren Wanze. Die auffällige Art gehört zur Familie der beinahe fingernagelgroßen, schildförmig gewölbten Baumwanzen. Etwa 80 Arten dieser Wanzenfamilie sind in Mitteleuropa bekannt. Fast alle sind auch im Mittelmeerraum beheimatet, von wo aus sie nach der jüngsten Kaltzeit zu uns eingewandert sind. Warum aber machte sich gerade die Streifenwanze soviel später als die anderen Arten auf den Weg? Warum kehrte eine Schwesterart, die immerhin schon zeitweilig in Bayern vorgekommen sein soll, gewissermaßen auf halben Wege wieder um? - Hier herrscht wohl noch einiger Klärungsbedarf. Sicher ist nur, dass gewisse Klimaveränderungen (globale Erwärmung, zunehmende Sommertrockenheit) einige Insekten in Regionen vorstoßen lassen, die ihnen durch abträgliche Gegebenheiten bisher versperrt blieben.
Auch eine rötliche Weichwanze fiel mir auf vertrocknenden Blütenköpfen wilder Margeriten auf: Calocoris roseomaculatus (Fotozeile rechts). Diese Wanzenart fand ich in Ostholstein bisher nirgends anders.
'Rot' zeigten sich ebenfalls die Männchen der 'Blutroten Heidelibelle' (Sympetrum sanguineum, Foto links). Und ebenfalls die sogenannten 'Blutströpfchen' (Zygaena filipendulae, Bildmitte) trugen Rotanteile in ihrem ansonsten schwarzen Kleid. Diese tagaktiven Schmetterlinge erschienen indessen schon reichlich ausgebleicht, was auf ihr nahendes Flugende schließen ließ. Ich war dennoch erfreut über die bemerkte Anzahl von beinahe vierzig Faltern. Im Vorjahr hatte ich an gleicher Stelle lediglich Puppen gefunden, die aus ungeklärten Gründen keine Falter entlassen hatten. Da schwante mir schon etwas vom Zusammenbrechen dieser Population. Doch meine Befürchtungen erwiesen sich nun als voreilig. Offenbar haben einige von mir unbemerkte Tiere genügt, um sich hinreichend fortzupflanzen.
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| Falter |
An weiteren Tagfaltern fielen mir eigentlich nur die zur Zeit gängigen 'Kaminkehrer', 'Ikarus-Bläulinge', 'Kleinen und Braunen Feuerfalter' sowie 'Großen Ochsenaugen' auf. Zum Teil schon in einem erbarmungswürdig abgeflogenen Zustand. Unter den Bläulingen zeigte sich allerdings ein etwas kleineres Exemplar mit reinbrauner Oberfläche der Flügel und kräftig-orangefarbenen Randbinden. Das dürfte wohl ein 'Zweibrütiger Sonnenröschen-Bläuling' (Aricia agestis, Foto links) gewesen sein. Die Art bemerkte ich vor Ort auch schon im Vorjahr in einer Spätsommergeneration.
Die Schmetterlings-'highlights' für das an Tagfaltern nicht gerade gesegnete Ostholstein stellten sich indessen erst auf unserem Rückmarsch ein: Zunächst bemerkte ich auf violetten Distelköpfen einen wohl etwas verspäteten 'Schachbrettfalter' (Melanargia galathea, Bildmitte). Diese Falterart hat in Schleswig-Holstein jüngst viele der einstigen Lebensräume verloren. Schuld daran sind v.a. die weitgehende Aufgabe extensiver Grünlandnutzung sowie die Zerstörung geeigneter Habitate (zu intensive Beweidung, Aufforstung). Schließlich kreuzte noch ein Exemplar des hier ebenfalls vielerorts rückläufigen 'Mädesüß-Perlmuttfalters' (Brenthis ino, rechts im Bild) unseren immer schleppenderen Gang...
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| Raupen und Falter |
An Schmetterlingsraupen entdeckte ich zu diesem jahreszeitlich späten Zeitpunkt noch die Larve eines 'Aurorafalters' (Anthocaris cardamines, links). Mehr noch freute ich mich kurz vor Ende unserer Exkursion aber über schwarz-gelb-geringelte Larven des 'Blutbären' (Thyria jacobaeae, 2. v. links). Die vornehmen schwarz-roten Falter sah ich bisher nicht, aber nun werde ich im kommenden Jahr an besagter Stelle Obacht geben. Eine 'Messingeule' (Diachrysia chrysites 'tutti', 2.v. rechts) sowie ein leider totes Exemplar des hübschen 'Pustelspanners' (Comibaena bajularia, rechts) rundeten die Faltersichtungen dieser Hitzeexkursion ab.
Vorwegnehmend sei gesagt, dass es natürlich in Martins Kescher, den er im Gleichmaß seiner Schritte beständig schwenkte, durchaus versponnen zuging. Wespenspinnen, Feenlämpchenspinnen, Schilfradspinnen, Krabbenspinnen, Baldachinspinnen, Kugelspinnen... - na, davon wird er im zweiten Teil des Exkursionsberichtes selbst berichten.
Reinhard Bülte
Bei dem von Reinhard erwähnten kutzen Stopp am Oberteich waren nicht viele Spinnen zu sehen. Im Schilf fing ich jedoch eine Larinioides patagiatus. Nachfolgend ein paar Bilder dieser Spinne.
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Gleich am Anfang des Areals fand ich offene Sandstellen vor und dachte sofort an Steatoda albomaculata, aber so sehr ich auch suchte, ich fand weder diese Spinne, noch andere Anzeichen dafür, dass diese Spinne hier lebt.
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| Geländeüberblick |
Reinhard sagte es bereits: Es war bereits am Vormittag glühend heiß. Vielleicht lag es daran, dass die Spinnenausbeute nur begrenzt war. Zudem habe ich nicht wahllos Spinnen eingesackt, sondern nach bestimmten Arten gesucht. Linyphidae ließ ich beiseite, da diese oft schwierig zu bestimmen sind -- dafür bin ich einfach noch nicht erfahren genug.
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Da die bloße Augenblicksfundliste dieser Exkursion kaum von Interesse ist, wird an dieser Stelle per Datenbankabfrage die Gesamtfundliste aller in Kasseedorf gefundenen Spinnen eingeblendet. Sie ist damit nach meinen Funden immer auf dem aktuellen Stand, sofern ich die Funde in meine Datenbank aufgenommen habe.
| Artenliste Kasseedorf | |
| Name | Status Rote Liste S.-H. |
| Agalenatea redii | Gefährdet |
| Araneus diadematus | In Checkliste |
| Clubiona comta | In Checkliste |
| Clubiona corticalis | Gefährdung anzunehmen |
| Clubiona stagnatilis | In Checkliste |
| Clubiona subsultans | Gefährdet |
| Dictyna arundinacea | In Checkliste |
| Diplocephalus picinus | In Checkliste |
| Dolomedes fimbriatus | Stark gefährdet |
| Enoplognatha latimana | Gefährdet |
| Erigone dentipalpis | In Checkliste |
| Gongylidium rufipes | In Checkliste |
| Larinioides cornutus | In Checkliste |
| Larinioides patagiatus | Gefährdung anzunehmen |
| Linyphia hortensis | In Checkliste |
| Linyphia triangularis | In Checkliste |
| Mangora acalypha | In Checkliste |
| Microneta viaria | In Checkliste |
| Pardosa prativaga | In Checkliste |
| Philodromus aureolus | In Checkliste |
| Philodromus cespitum | In Checkliste |
| Philodromus collinus | In Checkliste |
| Phylloneta impressa | |
| Segestria senoculata | In Checkliste |
Insgesamt 24 Arten.
Weitere Infos zu Kasseedorf, unter anderem einen Ortsplan, finden sich auf der Homepage von Ralf Ehlers: http://www.r-ehlers.de/:
Martin Lemke