Sydney funnel web spider, Atrax robustus

Die Funnel-Web-Spider kommt in Australien in etwa 35 Arten vor, wobei die Sydney Funnel Web-Spinne (Atrax robustus) die gefährlichste ist. Bisse dieser Spinne können tödlich sein. Seit 1981 gibt es alerdings ein Gegengift und es braucht heute niemand mehr am Biss dieser Spinne sterben; rechtzeitige Hilfe vorausgesetzt.

Untypischerweise ist der Biss des Männchens gefährlicher als der des Weibchens. Bei den meisten giftigen Spinnenarten ist es genau umgekehrt (bei der aus Europa in die USA eingeschleppten tegenaria agrestis, die man dort hobo spider nennt, verhält es es sich wiederum genauso).

Weibliche Tiere werden über 12 Jahre alt und verlassen ihr Nest in der Regel nicht, außer sie werden durch übermäßige Nässe aus ihrer Behausung getrieben. Männchen verlassen ihr Nest dagegen wenn sie zwei bis drei Jahre alt sind, um Weibchen zu suchen. Sie sterben 6 - 12 Monate danach. Die Paarungszeit, in der verstärkt mit herumlaufenden Exemplaren zu rechen ist, liegt im Sommer bis in den Herbst hinein. Dann finden sie den Weg in Betten, abgelegte Kleidungsstücke und Schuhe. Ebenso kann man leicht bei Gartenarbeiten oder beim reinigen von Swimmingpool-Filtern unvermittelt mit diesen Tieren in Kontakt geraten. In der Regel werden Menschen von der Spinne in die Finger oder Füße gebissen.

Es sind besonders Kinder und physisch schwache Menschen durch das Gift gefährdet. Ein Kind kann durch den Biss der Atrax robustus innerhalb 15 Minuten getötet werden. Neben Menschen sind vor allem auch Primaten gegenüber dem Gift empfindlich. Alle übrigen Wirbeltiere besitzen in ihrem Blut Inhibitoren, die sie gegenüber dem Gift unempfindlicher machen. Kröten, Katzen und Hasen gelten als unempfindlich gegen das Gift.

Der Biss der Spinne ist ausgesprochen schmerzhaft, weil der Ph-Wert des Giftes sehr niedrig ist. Die durch den Biss verursachten Schmerzen können Stunden, ja sogar Tage lang anhalten. Die Bisswunde ist ziemlich groß und ähnelt Schlangenbissen. Das Gift besteht aus 50 unterschiedlichen Komponenten. Die Substanz, die für Menschen und Primaten gefährlich ist, wird Delta-Atraxotoxin genannt. Es ist ein Nervengift, das die Kontrolle der Muskeln unmöglich macht. Die tödliche Wirkung des Giftest beruht genau auf dieser Wirkung. Es sieht dann aus, als hätten die Gebissenen Schüttelfrost. Normales Atmen ist nicht mehr möglich und kommen Herzkomplikationen hinzu (das Herz ist ein Muskel), führt dies zum Tod.

Allgemeine Symptome entwickeln sich nach wenigen Minuten. Klassische Symptome sind: Starke Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Unterleibschmerzen, Durchfall, Schwitzen, Speichelfluss, Tränenfluss, Herzrasen und Atemnot. Er können Krämpfe auftreten und tiefes Koma, das stundenlang anhalten kann. Der Tod durch Ersticken kann innerhalb einer Stunde, aber auch erst bis zu 30 Stunden nach dem Biss eintreten. Gelegentliche Besserungen des Allgemeinzustandes bedeuten nicht, das schlimmste sei vorüber.

Atrax robustus in typischer Verteidigungsstellung
Atrax robustus in typischer Verteidigungsstellung
Gut zu erkennen sind die orthognaten Giftklauen.

Die Spinne gilt als äußerst aggressiv. Wird sie gestört, richtet sie sich in Verteidigungsstellung auf die Hinterbeine auf und droht mit ihren mächtigen Fängen (siehe Abbildung), wobei gelegentlich schon das Gift aus den Spitzen ihrer Celiceren austritt. Bei einem Angriff hält sie ihr Opfer fest und beißt mehrmals hintereinander zu und injiziert damit ihr Gift. Deshalb ist es wichtig, eine eventuell noch am Opfer hängende Spinne behutsam wegzunehmen, um weitere Bisse zu vermeiden. Die Fänge der Spinne sind so stark, dass sie den Fingernagel eines Kindes durchstoßen können. Zum Zwecke der einwandfreien Identifikation sollte die Spinne mit ins Krankenhaus genommen werden. Es besteht Verwechselungsgefahr mit anderen Funnel web spiders, wie etwa der Mouse spider (Link unten) und der Victorian funnel web spider (Hadronyche modesta) (pdf-Dokument), deren Gifte dem der Atrax robustus zwar ähneln, das aber nicht tödlich wirkt. Das muss aber nicht heißen, dass alle übrigen harmlos sind; Menschen, die von Hadronyche infensa gebissen wurden, muss mitunter auch ein Gegengift verabreicht werden.

Jährlich kommt es in Südaustralien zu 30-40 Bissunfällen, die auf Atrax robustus zurückzuführen sind. Wobei allerdings nur bei besonders schweren Fällen — das sind immerhin 10 % der Fälle — die Verabreichung eines Serums notwendig ist.

Verbreitung

Karte: Verbreitungsgebiet

Die Spinne kommt nur im Umkreis des erweiterten Stadtgebiets von Sydney vor (in etwa 160 bis 180 km Umkreis). In einem Areal, das im Norden durch den Hunter River, im Westen durch den Ort Lithgow und im Süden durch den Fluss Shoalhaven River begrenzt ist. Auf der Karte ist dieses Gebiet skizziert. Im Westen Sydneys, wo die olympischen Spiele stattfanden, ist nach Einschätzung von Expernten, kaum mit dem Antreffen dieser Spinne zu rechnen, wohl aber in den anderen Bereichen der Stadt.

Das Weibchen ist 4 cm lang (mit Beinen 8 cm), das Männchen wird nur etwa 2,5 cm groß (ohne Beine). Das Gift des Männchens ist dagegen fünf bis sechsmal so stark wie das des Weibchens.

Ihr Trichternetze bauen die Spinnen unter Steinen, Baumwurzeln und Holz. Die Netze sind gewöhnlich nicht sichtbar. Radiale angeordnet führen Fangleinen hin zum Trichtereingang des Netzes.

Abgesehen von der Paarungszeit (die ist im Sommer) bleiben die Spinnen in ihren Netzen. Unter Umständen gehen jedoch auch die Weibchen gelegentlich auf Wanderschaft. So wird berichtet, dass die Spinnen nach verregneten Sommern in die Häuser kommen.

Gift

Seit 1981 gibt es ein Gegengift, das das Toxin der Spinne neutralisiert. Es wird auch bei Bissen Hadronyche (besonders H. formidabilis) eingesetzt, deren Gift dem der Atrax sehr ähnlich ist. Auch das Gift der Northern mouse spider (Missulena Bradley) wirkt ähnlich dem der Atrax. In der Zeit vor Entwicklung des Gegengiftes sind 13 Todesfälle in Zusammenhang mit Bissen der Atrax robustus dokumentiert.

Wissenschaftler haben entdeckt, dass im Gift der Spinne neben dem Atraxotoxin, das dem Menschen und Primaten gefährlich wird, Substanzen enthalten sind, die selektiv Insekten töten. Diesen insektiziden Substanzen gilt das Forschungsinteresse besonders. Graham Nicholson von der University of Technology, Sydney, forscht auf diesem Gebiet.

Quellenhinweise

'Gifttiere und ihre Waffen', Gerhard G. Habermehl, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1994
'Biologie der Spinnen', Rainer F. Foelix, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1992
'Spezielle Zoologie, Teil 1' Westheide/Rieger, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1996
EMedicine: http://www.emedicine.com/emerg/topic548.htm
Australisches Museum: http://www.austmus.gov.au/is/sand/funnelweb.htm
Entrez-PubMed: http://www.ncbi.nlm.nih.gov:80/
eMJA: http://www.mja.com.au/public/issues/171_11_061299/harrington/harrington.html
Identification Service: http://www.ento.csiro.au/
Ein interessanter Artikel aus einer Zeitschrift: http://www.nwf.org/

Letzte Änderung: 2007-06-06